Ein erholsamer Schlaf ist eine wichtige Voraussetzung für die körperliche, geistige und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Während des Schlafs verarbeitet das Gehirn neue Eindrücke und Lernerfahrungen, das Immunsystem wird unterstützt und der Körper regeneriert sich. Ausreichender und erholsamer Schlaf trägt außerdem zu Konzentration, Leistungsfähigkeit und emotionalem Wohlbefinden bei.
Die meisten Kinder schlafen altersentsprechend gut. Dennoch treten Schlafprobleme im Kindes- und Jugendalter häufig auf. Besonders verbreitet sind Ein- und Durchschlafstörungen sowie Albträume. Viele dieser Schlafprobleme sind vorübergehend und stehen beispielsweise im Zusammenhang mit Entwicklungsschritten, belastenden Lebensereignissen oder vorübergehenden Veränderungen des Alltags.
Halten Schlafstörungen jedoch über einen längeren Zeitraum an oder beeinträchtigen sie den Alltag des Kindes und seiner Familie erheblich, sollten die Ursachen genauer abgeklärt werden. Anhaltende Schlafprobleme können sich unter anderem auf die Stimmung, die Konzentration, das Lernen sowie das allgemeine Wohlbefinden auswirken.
Mögliche Ursachen von Schlafstörungen
Schlafstörungen können unterschiedliche Ursachen haben. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.
Psychische Belastungen wie Sorgen, Ängste, anhaltender Stress oder depressive Symptome können das Ein- oder Durchschlafen erschweren. Auch belastende Erlebnisse oder Konflikte im familiären oder schulischen Umfeld können sich auf den Schlaf auswirken.
Daneben kommen körperliche Ursachen infrage. Hierzu zählen beispielsweise Schmerzen, akute oder chronische Erkrankungen sowie andere medizinische Faktoren, die den Schlaf beeinträchtigen können.
Auch die Schlafumgebung und die Schlafgewohnheiten spielen eine wichtige Rolle. Lärm, eine ungewohnte Umgebung oder eine unruhige Schlafsituation können das Ein- und Durchschlafen erschweren. Ebenso können große Mahlzeiten kurz vor dem Zubettgehen, ein unregelmäßiger Schlafrhythmus oder eine intensive Nutzung digitaler Medien am Abend den Schlaf beeinträchtigen.
Bei kleineren Kindern können darüber hinaus fehlende Einschlafrituale oder eine unzureichende körperliche Aktivität am Tag dazu beitragen, dass das Einschlafen schwerfällt.
Nicht jede Schlafstörung hat eine psychische Ursache. Deshalb sollte bei anhaltenden Beschwerden zunächst sorgfältig abgeklärt werden, welche Faktoren im Einzelfall zum gestörten Schlaf beitragen.
Typische nichtorganische Schlafstörungen
Zu den häufigsten nichtorganischen Schlafstörungen im Kindes- und Jugendalter gehören Ein- und Durchschlafstörungen, Albträume, Pavor nocturnus (Nachtschreck), Schlafwandeln sowie eine ausgeprägte Tagesschläfrigkeit (Hypersomnie). Nicht jede dieser Schlafstörungen ist behandlungsbedürftig. Entscheidend sind unter anderem die Häufigkeit, die Dauer sowie die Auswirkungen auf das Kind und seine Familie.
Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie)
Ein- und Durchschlafstörungen gehören zu den häufigsten Schlafproblemen im Kindes- und Jugendalter. Typisch sind Schwierigkeiten beim Einschlafen, häufiges nächtliches Erwachen oder ein insgesamt wenig erholsamer Schlaf. Bei jüngeren Kindern stehen häufiger Durchschlafstörungen im Vordergrund, während bei Schulkindern und Jugendlichen vermehrt Einschlafprobleme auftreten.
Die Ursachen können vielfältig sein. Häufig spielen Sorgen, Ängste, anhaltender Stress oder andere emotionale Belastungen eine Rolle. Halten die Beschwerden über längere Zeit an, kann sich eine chronische Insomnie entwickeln.
Albträume
Albträume sind intensive, beängstigende Träume, die meist in der zweiten Nachthälfte auftreten und häufig mit Angst, Hilflosigkeit oder Bedrohungsgefühlen verbunden sind. Nach dem Erwachen erinnern sich Kinder und Jugendliche in der Regel an den Trauminhalt und können diesen oft detailliert schildern.
Albträume treten besonders häufig im Vorschul- und Grundschulalter auf und sind grundsätzlich Teil der normalen Entwicklung. Wiederkehrende Albträume können jedoch mit belastenden Erlebnissen, Stress oder Ängsten zusammenhängen. Auch aufregende oder beängstigende Medieninhalte kurz vor dem Schlafengehen können das Auftreten von Albträumen begünstigen.
Pavor nocturnus (Nachtschreck)
Der Pavor nocturnus ist von Albträumen zu unterscheiden. Betroffene Kinder schrecken meist in der ersten Nachthälfte plötzlich aus dem Tiefschlaf auf. Sie schreien häufig, wirken stark verängstigt, sind unruhig und reagieren kaum auf Beruhigungsversuche. Obwohl das Verhalten für Eltern sehr beunruhigend wirken kann, schlafen die meisten Kinder nach kurzer Zeit wieder ein.
Am nächsten Morgen besteht in der Regel keine Erinnerung an das nächtliche Ereignis. Während einer Episode sollte vor allem darauf geachtet werden, dass sich das Kind nicht verletzt.
Schlafwandeln
Beim Schlafwandeln verlassen Kinder oder Jugendliche während des Schlafs das Bett und führen teilweise einfache Handlungen aus, ohne dabei vollständig wach zu sein. Sie wirken häufig orientierungslos und sind nur eingeschränkt ansprechbar.
In den meisten Fällen endet das Schlafwandeln von selbst und die Betroffenen kehren eigenständig ins Bett zurück. Am nächsten Morgen besteht gewöhnlich keine Erinnerung an das nächtliche Geschehen. Wichtig ist vor allem, die Umgebung so zu sichern, dass Verletzungen vermieden werden.
Hypersomnie
Von einer Hypersomnie spricht man, wenn Kinder oder Jugendliche trotz ausreichender nächtlicher Schlafdauer unter einer ausgeprägten Tagesschläfrigkeit leiden. Betroffene schlafen tagsüber häufig ungewollt ein oder benötigen nach dem Aufwachen ungewöhnlich lange, bis sie vollständig wach und leistungsfähig sind.
Da eine ausgeprägte Tagesschläfrigkeit verschiedene körperliche oder psychische Ursachen haben kann, sollte sie ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn sie über längere Zeit besteht.
Die Regeln der Schlafhygiene
Eine gute Schlafhygiene kann dazu beitragen, den Schlaf von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Sie ersetzt zwar keine Behandlung der eigentlichen Ursache einer Schlafstörung, bildet jedoch häufig eine wichtige Grundlage für einen gesunden Schlaf.
Folgende Maßnahmen haben sich bewährt:
- Achten Sie möglichst auf regelmäßige Zubettgeh- und Aufstehzeiten – auch am Wochenende
- Sorgen Sie für eine ruhige, dunkle und angenehm temperierte Schlafumgebung
- Feste Abendrituale, beispielsweise Vorlesen, ruhige Gespräche oder Entspannungsübungen, können Kindern das Einschlafen erleichtern
- Etwa ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen sollten möglichst ruhige Aktivitäten stattfinden
- Auf Computer, Smartphones, Tablets und Fernsehen sollte in dieser Zeit möglichst verzichtet werden, da Bildschirmlicht und aufwühlende Inhalte das Einschlafen erschweren können
- Größere Mahlzeiten sowie koffeinhaltige oder andere anregende Getränke sollten am Abend möglichst vermieden werden
- Ausreichende Bewegung am Tag fördert einen gesunden Schlaf.
- Intensive sportliche Aktivitäten sollten jedoch möglichst nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen stattfinden
- Bei Kindern ab etwa fünf Jahren kann ein langer Mittagsschlaf das Einschlafen am Abend erschweren. Ob ein Mittagsschlaf noch sinnvoll ist, hängt jedoch von Alter und individuellem Schlafbedarf des Kindes ab.
Behandlungsmöglichkeiten bei Schlafstörungen
Bestehen Schlafprobleme über einen längeren Zeitraum oder führen sie zu einer deutlichen Belastung des Kindes oder der Familie, sollte zunächst abgeklärt werden, welche Ursachen den Beschwerden zugrunde liegen. Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Schlafstörung sowie den individuellen Belastungsfaktoren.
Stehen körperliche Erkrankungen oder andere medizinische Ursachen im Vordergrund, sollten diese zunächst kinderärztlich abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden.
Liegen psychische Belastungen wie Ängste, Sorgen, Stress oder andere emotionale Belastungen vor, kann eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Ziel ist es, die aufrechterhaltenden Faktoren der Schlafstörung zu erkennen und gemeinsam mit dem Kind und seiner Familie geeignete Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Hypnotherapeutische Verfahren können – sofern sie fachgerecht angewendet werden – im Rahmen eines psychotherapeutischen Gesamtkonzepts ergänzend eingesetzt werden. Sie können Kindern und Jugendlichen beispielsweise helfen, innere Ruhe zu fördern, belastende Gefühle besser zu verarbeiten, Ressourcen zu stärken und hilfreiche Vorstellungen für das Ein- und Durchschlafen zu entwickeln. Hypnotherapie ersetzt jedoch keine sorgfältige Diagnostik und wird entsprechend der individuellen Fragestellung eingesetzt.
Zu Beginn einer Behandlung erfolgt zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Kind beziehungsweise Jugendlichen und den Erziehungsberechtigten. Dabei werden die Schlafprobleme, mögliche Einflussfaktoren sowie die bisherigen Bewältigungsversuche gemeinsam besprochen. Auf dieser Grundlage wird entschieden, welche therapeutischen Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind.
Fazit
Schlafstörungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen im Kindes- und Jugendalter. Viele Schlafprobleme sind vorübergehend und lassen sich bereits durch eine gute Schlafhygiene oder Veränderungen im Alltag verbessern. Halten die Beschwerden jedoch über längere Zeit an oder beeinträchtigen sie den Alltag des Kindes und seiner Familie erheblich, sollte eine fachliche Abklärung erfolgen. Eine frühzeitige Diagnostik und eine individuell angepasste Behandlung können dazu beitragen, den Schlaf nachhaltig zu verbessern und die gesunde Entwicklung des Kindes zu unterstützen.