Was ist Schmerz?
Schmerz ist ein wichtiges Warn- und Schutzsignal unseres Körpers. Er macht auf mögliche Verletzungen oder Erkrankungen aufmerksam und veranlasst uns, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Akute Schmerzen erfüllen deshalb eine wichtige Schutzfunktion.
In den meisten Fällen klingt der Schmerz wieder ab, sobald die zugrunde liegende Ursache behandelt oder ausgeheilt ist. Manchmal bleiben Schmerzen jedoch über einen längeren Zeitraum bestehen oder treten immer wieder auf. Dann kann von chronischen Schmerzen gesprochen werden.
Chronische Schmerzen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und sich auf den Alltag, den Schlaf, die Stimmung sowie das soziale und berufliche Leben auswirken. Je nach Ursache und Verlauf unterscheiden sich akute und chronische Schmerzen jedoch deutlich.
Akuter und chronischer Schmerz
Akute Schmerzen entstehen meist infolge einer Verletzung oder Erkrankung und haben eine wichtige Warnfunktion.
Chronische Schmerzen bestehen dagegen über einen längeren Zeitraum oder treten immer wieder auf. Häufige Beispiele sind Rückenschmerzen, Migräne, Spannungskopfschmerzen, Gelenk- oder Muskelschmerzen.
Nicht immer lässt sich die Stärke der Schmerzen allein durch einen körperlichen Befund erklären. Bei manchen Menschen können Schmerzen auch dann fortbestehen, wenn die ursprüngliche Verletzung längst verheilt ist.
Das Schmerzgedächtnis
Nach heutigem Kenntnisstand kann sich bei länger anhaltenden Schmerzen das Nervensystem verändern. Dadurch können Schmerzsignale auch ohne eine fortbestehende Gewebeschädigung weiterverarbeitet werden, sodass Schmerzen bestehen bleiben können.
Dieses Phänomen wird häufig als Schmerzgedächtnis bezeichnet.
Das bedeutet nicht, dass die Schmerzen „eingebildet“ sind. Vielmehr handelt es sich um reale Schmerzen, deren Verarbeitung sich im Nervensystem verändert hat.
Ein bekanntes Beispiel dafür sind Phantomschmerzen. Manche Menschen verspüren nach einer Amputation Schmerzen oder andere Empfindungen in einem Arm oder Bein, das nicht mehr vorhanden ist. Auch hierbei zeigt sich, dass Schmerzen nicht ausschließlich von einer aktuellen Verletzung oder Gewebeschädigung abhängen, sondern durch die Verarbeitung von Schmerzsignalen im Nervensystem entstehen können.
Welche Rolle spielen psychische Faktoren?
Chronische Schmerzen entstehen nicht ausschließlich durch psychische Belastungen. Umgekehrt können Schmerzen jedoch durch Stress, Ängste, Schlafstörungen oder anhaltende emotionale Belastungen beeinflusst werden.
Viele Betroffene erleben einen Kreislauf aus Schmerzen, Anspannung, Sorgen und Vermeidungsverhalten. Die ständige Aufmerksamkeit auf den Schmerz kann dazu beitragen, dass Beschwerden intensiver wahrgenommen werden und sich der Alltag zunehmend einschränkt.
Psychotherapeutische Verfahren können dazu beitragen, diesen Kreislauf zu durchbrechen und einen besseren Umgang mit chronischen Schmerzen zu entwickeln.
Behandlung chronischer Schmerzen
Vor jeder psychotherapeutischen Behandlung sollte zunächst eine ärztliche Diagnostik erfolgen, um mögliche körperliche Ursachen abzuklären und gegebenenfalls gezielt zu behandeln.
Je nach Ursache und Art der Beschwerden kommen unterschiedliche Behandlungsverfahren infrage. Dazu gehören beispielsweise medizinische Therapien, Physiotherapie, Bewegung, Schmerztherapie sowie psychotherapeutische Verfahren.
Auch die Hypnosetherapie kann – je nach individueller Situation – ein ergänzender Bestandteil der Behandlung chronischer Schmerzen sein.
Die Hypnosetherapie richtet sich dabei nicht gegen die körperliche Ursache der Schmerzen, sondern setzt an der individuellen Schmerzwahrnehmung und dem Umgang mit den Beschwerden an. Ziel ist es unter anderem, Stress und Anspannung zu reduzieren, die Aufmerksamkeit vom Schmerz zu lösen und den Umgang mit den Beschwerden im Alltag zu verbessern.
Gerade bei chronischen Schmerzen, bei denen Stress, Ängste oder depressive Beschwerden zusätzlich eine Rolle spielen, kann eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll sein.
Selbsthypnose
Viele Menschen können im Rahmen einer Hypnosetherapie Techniken zur Selbsthypnose erlernen, um diese später eigenständig anzuwenden.
Selbsthypnose kann dabei helfen, Entspannung zu fördern, die Aufmerksamkeit gezielt zu lenken und den individuellen Umgang mit Schmerzen zu verbessern. Sie ersetzt keine notwendige ärztliche Behandlung, kann diese jedoch sinnvoll ergänzen.
Vor der Anwendung bei Schmerzen unklarer Ursache sollte grundsätzlich eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Die Wirkung hypnotischer Verfahren bei verschiedenen Schmerzerkrankungen wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht. Insbesondere bei chronischen Schmerzen, Migräne und im Rahmen medizinischer Eingriffe konnten positive Effekte auf die Schmerzwahrnehmung und den Umgang mit Schmerzen gezeigt werden.
Aus diesem Grund werden hypnotische Verfahren in bestimmten Bereichen der Schmerztherapie seit vielen Jahren ergänzend eingesetzt.
Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der Ursache der Schmerzen sowie der persönlichen Situation ab. Eine Hypnosetherapie ersetzt keine notwendige medizinische Behandlung, kann diese jedoch in geeigneten Fällen sinnvoll ergänzen.