Warum wir nicht immer so handeln, wie wir es eigentlich möchten

Haben Sie schon einmal erlebt, dass Sie genau wussten, was richtig wäre – und trotzdem anders reagiert haben?

Vielleicht hatten Sie Angst vor einer Spinne, obwohl Sie wussten, dass sie ungefährlich ist. Oder Sie wollten vor einer Prüfung ruhig bleiben, obwohl Ihr Körper plötzlich mit Herzklopfen, Zittern oder innerer Unruhe reagierte.

Solche Situationen zeigen: Zwischen unserem bewussten Denken und unseren automatischen Reaktionen besteht häufig ein Unterschied. Genau dieses Zusammenspiel spielt in der Hypnosetherapie eine wichtige Rolle.


Ein Modell zum besseren Verständnis

Um diese Zusammenhänge verständlich zu erklären, nutzen viele Psychotherapeuten und Hypnosetherapeuten ein vereinfachtes Modell der Psyche. Es soll helfen, bestimmte psychologische Zusammenhänge leichter verständlich zu machen.

Vereinfacht lässt sich unser Erleben in drei Bereiche unterteilen:

  • das bewusste Erleben
  • das unbewusste Erleben
  • unbewusst ablaufende körperliche und psychische Prozesse



Diese Bereiche arbeiten ständig zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.


Das bewusste Erleben

Mit unserem bewussten Denken planen wir, treffen Entscheidungen und lösen Probleme. Wir analysieren Situationen, vergleichen Informationen und überlegen, welche Handlung sinnvoll ist.

Dieses bewusste Denken ist für den Alltag unverzichtbar. Gleichzeitig kann es jedoch immer nur einen kleinen Teil der Informationen verarbeiten, die jede Sekunde auf unser Gehirn einwirken.

Deshalb laufen viele Vorgänge automatisch ab.


Automatische Reaktionsmuster

Im Laufe unseres Lebens sammeln wir unzählige Erfahrungen. Unser Gehirn speichert diese Erfahrungen und entwickelt daraus Gewohnheiten, Überzeugungen und emotionale Reaktionsmuster.

Die meisten davon sind ausgesprochen hilfreich.

Wir müssen nicht jedes Mal neu lernen, wie man geht, Fahrrad fährt oder Auto fährt. Auch viele soziale Verhaltensweisen laufen automatisch ab. Das entlastet unser Gehirn und ermöglicht es uns, auch komplexe Alltagssituationen zu bewältigen, ohne jede Handlung bewusst planen zu müssen.

Dasselbe gilt jedoch auch für emotionale Reaktionen.

Hat unser Gehirn eine Situation einmal als gefährlich gespeichert, kann es bei einer ähnlichen Situation automatisch Alarm auslösen – selbst dann, wenn objektiv gar keine Gefahr mehr besteht.

Genau deshalb reicht logisches Wissen allein häufig nicht aus, um Ängste oder belastende Gewohnheiten zu verändern. Veränderung entsteht deshalb häufig nicht allein durch neues Wissen, sondern vor allem durch neue emotionale Erfahrungen


Warum Veränderungen oft schwerfallen

Unser Gehirn liebt Vertrautes.

Neue Erfahrungen werden ständig mit bereits vorhandenen Erfahrungen verglichen. Passt etwas zu dem, was wir bereits gelernt haben, fällt es uns leicht, diese Information anzunehmen.

Steht eine neue Erfahrung jedoch im Widerspruch zu tief verankerten Überzeugungen oder emotionalen Lernerfahrungen, reagiert unser Gehirn häufig mit Skepsis oder hält an den bisherigen Mustern fest.


Wie entstehen belastende Überzeugungen?

Ein gutes Beispiel ist der Aberglaube.

Wer überzeugt ist, dass Freitag der 13. ein Unglückstag ist, weiß meist selbst, dass es dafür keinen objektiven Beweis gibt. Entscheidend ist nicht, ob die Überzeugung objektiv richtig ist, sondern dass sie für den Betroffenen subjektiv als wahr erlebt wird. Trotzdem kann allein der Gedanke an dieses Datum Unruhe oder Unsicherheit auslösen.

Noch deutlicher wird dieses Prinzip bei Phobien.

Ein Kind erschrickt genau in dem Moment, in dem es eine Spinne sieht. Das Gehirn verknüpft beide Ereignisse miteinander. Viele Jahre später genügt bereits der Anblick einer harmlosen Spinne, um dieselbe Angstreaktion auszulösen.

Nicht die Spinne verursacht die Angst, sondern die erlernte emotionale Verknüpfung. Was ursprünglich als sinnvolle Schutzreaktion entstanden ist, kann viele Jahre später zu einer unnötigen Belastung werden.

Solche Lernprozesse laufen meist unbewusst ab und können sich im Laufe der Zeit verfestigen.


Warum sich Probleme manchmal ausweiten

Belastende Reaktionsmuster bleiben häufig nicht auf eine einzige Situation beschränkt.

Aus einer Angst vor engen Räumen kann sich beispielsweise eine allgemeine Unsicherheit entwickeln. Aus einer einzelnen Panikattacke kann die Sorge entstehen, erneut eine Panikattacke zu erleben. Manche Menschen beginnen daraufhin, bestimmte Orte oder Situationen zu vermeiden.

Dadurch wird das ursprüngliche Problem oft ungewollt verstärkt.

Nicht weil der Mensch schwach ist, sondern weil sein Gehirn versucht, ihn vor einer vermeintlichen Gefahr zu schützen.


Was bedeutet das für die Hypnosetherapie?

Die Hypnosetherapie setzt genau an diesen automatischen Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern an.

Während der Hypnose richtet sich die Aufmerksamkeit stärker nach innen. Dadurch fällt es vielen Menschen leichter, belastende emotionale Erfahrungen zu verstehen, neu einzuordnen und therapeutisch zu bearbeiten. Der hypnotische Zustand erleichtert vielen Menschen den Zugang zu solchen automatischen emotionalen Reaktionsmustern, die im Alltag häufig nur schwer bewusst zugänglich sind.

Dabei geht es nicht darum, Erinnerungen zu löschen oder die Persönlichkeit zu verändern. Ziel ist vielmehr, emotionale Bewertungen zu verändern und neue, hilfreichere Reaktionsmöglichkeiten zu entwickeln.

Viele Menschen erleben dadurch, dass Denken, Fühlen und Handeln wieder besser zusammenpassen.

Denn nachhaltige Veränderungen entstehen häufig dann, wenn nicht nur der Verstand überzeugt ist, sondern auch das emotionale Erleben eine eine neue Erfahrung machen kann.